
Nachbericht: Netzwerken mit einem humanoiden Roboter
Volles Haus bei Reden in der Eden am 16. Juni 2026 – der Fachgruppe Werbung Wien war es gelungen, eine der gefragtesten Forscherinnen des Landes in die legendäre Eden Bar zu holen. Die Historikerin Emily Kate Genatowski und Roboter Tova berichteten live über ihre Erfahrungen in einer Mensch-Roboter-WG.

Während die KI längst Arbeitsprozesse verändert und vielen Menschen den Alltag erleichtert, führt China vor, wie unsere Realität in naher Zukunft aussehen könnte: Humanoide Roboter stehen zur Serienproduktion bereit. Das weckte die Neugier der Historikerin Emily Kate Genatowski. Was mit nicht beantworten Fragen an die Herstellerfirmen begann, mündete in ein Experiment: Ein Jahr lang lebte die Forscherin mit ihrem Roboter Tova in Wien zusammen. „Die Ingenieursarbeit konzentriert sich auf Skills und Funktionalität. Mich hat aber primär interessiert, wie man einen Roboter in reale Lebenswelten integrieren kann. Da ich ein neugieriger Mensch bin, habe ich versucht, diese Forschungslücke mit meinem Experiment zu schließen“, erklärt Emily Kate Genatowski ihre Motivation. Alltägliche Fragen wie „Wie reagiert ein Roboter auf meinen Hund?“ oder „Wer haftet, wenn Tova die Lieblingsvase meiner Freundin umstößt?“ oder „Braucht mein Roboter ein Ticket für die U-Bahn“, konnte die Forscherin nur teilweise beantworten. Denn die rechtlichen Grundlagen für die Interaktion mit einem KI-gesteuerten Roboter sind schlichtweg noch nicht vorhanden.
Rechtliche Grundlagen schaffen
Robotik ist für die Forscherin keine Frage des individuellen Geschmacks, sondern eine Systemfrage. „Wenn ich mir heute einen Roboter anschaffe, dann betrifft das auch meine Nachbarn. Vor allem in Hinblick auf rechtliche Standards, die für alle gelten müssen“, so Genatowski. Denn auch wenn ein Roboter in einer Bar keinen Altersnachweis braucht, stellen sich trotzdem Fragen nach Zutrittsbeschränkungen, der Haftung oder auch dem Platzangebot. Neue Standards – ob kommunal oder national werden die Gesellschaft als Gesamtes treffen, weshalb Genatowski dafür plädiert, möglichst viele Stimmen und Meinungen zum Thema Robotik zu hören. Am Ende ist auch ein KI-gesteuerter Roboter eine Maschine, die nationalem Recht unterliegt. Während ein Roboter beispielsweise in der EU die Kriterien der DSGVO erfüllen muss, sind die rechtlichen Regulatorien in China weit lockerer und in den USA kämen wieder andere Bestimmungen zum Tragen. Das bedeutet, auch Roboter müssen sich dem jeweiligen System anpassen – und diese Systeme müssen teilweise erst geschaffen werden.
Wer in Zukunft Kaufentscheidungen trifft
Agentic Marketing gilt derzeit als eines der meistdiskutierten Zukunftsthemen der Marketingbranche. Der Ansatz beschreibt den Wandel hin zu einer Welt, in der KI-Agenten Kaufentscheidungen zunehmend beeinflussen, vorbereiten oder sogar eigenständig treffen. Unternehmen müssen ihre Informationen also so aufbereiten, dass sie nicht nur Menschen überzeugen, sondern auch von KI verstanden und bevorzugt werden. Dass der neue Ansatz die emotionale Markenkommunikation ablöst, glaubt die Expertin nicht: „Humanoide Roboter werden zwar Aufgaben wie den Einkauf übernehmen, aber sie handeln im Auftrag von Menschen. Mit Sicherheit werden in Zukunft KI-Agenten – auch in Form von Robotern – unsere Kaufentscheidungen ergänzen. Dass Menschen ihre Entscheidungskraft komplett abgeben, glaube ich nicht. Ich kann mir auch vorstellen, dass das Trend-Pendel in Zukunft wieder in die andere Richtung ausschlägt“, sagte Genatowski.
Längst sind nicht alle Fragen – etwa nach Datensicherheit oder physischer Sicherheit beantwortet. Emily Kate Genatowski hat mit ihrem Experiment aber auf jeden Fall einen wichtigen Diskurs angestoßen.
Emily Kate Genatowski
Die gebürtige US-Amerikanerin Emily Kate Genatowski ist Doktorandin im Bereich
Digital Humanities an der Universität Wien und verfügt über Abschlüsse sowohl der Harvard University als auch der Columbia University. Als ehemalige Projektleiterin bei Google Arts & Culture betreibt sie heute experimentelle Forschung und schreibt über KI, Ethik, Regulierung und Gesellschaft.
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